Klinik-Initiative LEBEN

 
 
 

GE­SUND­HEITS­VOR­SOR­GE ODER PROFIT?

 
 

Unser Gesundheitssystem lebt von der Nähe zu den Menschen und von Menschen, die sich um diejenigen kümmern, die Hilfe brauchen.

 
Deshalb hat der Ortenaukreis bisher der Versuchung widerstanden, sich zuerst an wirtschaftlichen Kriterien zu orientieren. Er hat gezeigt, dass eine menschliche Medizin auch so organisiert werden kann, dass sie finanziell beherrschbar bleibt.

 
Ist das vorbei? Geht es jetzt nur noch um Bilanzen, Zahlen, Quadratmeter pro Patient? Ist Zentralisierung in Großeinheiten, die man dann Maximalversorgung nennt, das Gebot der Stunde? Das Gutachten, das künftigen Weichenstellungen zugrunde gelegt werden soll, legt diesen Schluss nahe.

 

 
Das widerspricht unserer Auffassung von einer Gesundheitspolitik, die den Menschen dient.

 
Wir rufen deshalb dazu auf, Entscheidungen zur künftigen Kliniklandschaft in der Ortenau nach den Auswirkungen auf die Menschen auszurichten und sich nicht von den Profitzahlen eines fragwürdigen Gutachtens leiten zu lassen. Die wirklichen Argumente in diesem Gutachten sind bescheiden. Positionen werden nicht abgewogen, sondern einseitig festgestellt.

 
Wir lassen uns nicht von Zahlenkolonnen erschlagen. Wir sehen, wie den Menschen bisher wo geholfen wurde und wir erwarten, dass die sehr positive Bewertung der ärztlichen und pflegerischen Arbeit im Ettenheimer Krankenhaus durch die Patienten, den Ausschlag für ein Weiterbestehen im Klinikverbund Lahr-Ettenheim gibt.

 

 
 
 
 

Klinikinitiative: Bettenkonzentration dünnt ländliche Räume aus

 
 
Vergleich:

Derzeitige Betten gegenüber dem favorisierten Vorschlag mit 4 Standorten

 
Das Gutachten schlägt die Schließung von Standorten und die Verlagerung von Klinikbetten vor. Wie sich die Betten verschieben, zeigt unsere Grafik.

 
Den Klinikbetten folgen niedergelassene Ärzte, Therapeuten und weitere Gesundheitsdienstleister. Die vorgeschlagene Klinikstruktur verschiebt medizinische Leistungen zu Lasten Ländlicher Räume.

 
Die Arbeitswege vieler Mitarbeiter werden länger. Der jetzt schon erkennbare Mangel von Ärzten auf dem Land wird mit Umsetzung dieses Vorschlags größer.

 

 
 
 
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Klinikum Ettenheim braucht reale Chance

 
 
Eine mehr als 2 ½-stündige Diskussion entwickelte sich aus der Informationsveranstaltung zur künftigen Klinikstruktur in der Ortenau am Mittwochabend in Ringsheim. Der einladende Bürgermeister Pascal Weber konnte eine Reihe von Kollegen begrüßen, darunter Dietmar Benz, Mahlberg, Jochen Paleit, Kappel-Grafenhausen, Tilman Petters, Baubürgermeister aus Lahr, Kai Klare aus Rust sowie zahlreiche Gemeinderätinnen und Gemeinderäte sowie viele Ärztinnen und Ärzte und interessierte Bürger der Region. Er betonte, wie wichtig dieses Krankenhaus für die ganze Region ist.

 
Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz informierte über Zielsetzungen und kritisierte, dass die Gutachter auf den kleinen Häusern, insbesondere auch Ettenheim kaum eingegangen sind. Sachverhalte, wie die monatelange Personalleihe von Ettenheim nach Lahr im Jahr 2016 wirkten sich nun negativ für Ettenheim aus. Auch weitere Grundlagen des Gutachtens könnten kritisch betrachtet werden. Mit der vorgesehenen Veränderung der Klinikstruktur sei die größte Strukturveränderung der Ortenau verbunden. Die Konzentration von 240 zusätzlichen Klinikbetten in Offenburg gegenüber dem Ist-Stand geht zu Lasten der Ländlichen Räume. Es drohe der Verlust von medizinischen Leistungen, Wirtschaftskraft und Arbeitsplätzen. Die in Ettenheim früh eingesetzte Spezialisierung sowie die schlanke Struktur in Verbindung mit der Fusion mit dem Lahrer Krankenhaus werde zu wenig berücksichtigt. Ebenso die Strahlkraft in die südliche Nachbarregion der Ortenau.

 
Es folgten die Statements der Fraktionsvorsitzenden. Oberbürgermeister Klaus Muttach, Achern, in Ringsheim aufgewachsen, bekannte seine persönliche Nähe und wies auf Notwendigkeiten der Veränderung in der Kliniklandschaft hin. Gleichzeitig müssen aber auch den kleinen Häusern, die sich bewährt haben, eine Chance gegeben werden. So wie in Achern die Strahlkraft nach Norden gewürdigt wurde, müsse dies auch im Süden erfolgen in Ettenheim.

 

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Die Fraktion der Freien Wähler, Jürgen Nowak, betonte das Bemühen, bei schwierigem Umfeld eine gute Lösung für die Ortenau zu erreichen. Dabei sei nicht jeder Standort zu halten.

 
Günter Gorecky, der SPD-Fraktionsvorsitzende, bekannte, zur Minderheit in seiner Fraktion zu gehören, aber fest zum Ettenheimer Krankenhaus als Teil der Lahrer Klinik zu stehen.

 
Der Fraktionsvorsitzende der BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, Alfred Baum, wies darauf hin, dass es auch darum gehe, unnötige Parallelstrukturen in der Ortenau abzubauen. Der Kostendruck erlaube nicht alle Klinikstandorte zu erhalten. Er wies auf die mögliche Nachfolgenutzung mit Schwerpunkt im ambulanten Bereich hin.

 
Die intensive folgende Diskussion wurde vom Ettenheimer Stadtrat Prof. Dr. Thomas Breyer-Mayländer geleitet. Dabei musste er mehr als einmal seine große Moderationserfahrung anwenden. Immer wieder kochten die Emotionen unter den zahlreichen Zuhörern auf.

 
So wies der Ettenheimer Allgemeinmediziner Dr. Boris Weber sowie mehrere weitere Ärzte in der Folge auf den Wert der stufigen Gesundheitsversorgung über Kliniken der Grundversorgung sowie der Spezialisierung und der Maximalversorgung hin. Es seien gerade die kleinen Häuser, in denen vielfach ältere Menschen besser aufgehoben seien als in großen. Diese kleinen Häuser seien die prädestinierten Aus- und Weiterbildungsstätten für künftige Hausärzte, die ein breites Wissen auf vielen Feldern, z.B. der Inneren Medizin aufbringen müssen, wie es in hoch spezialisierten Kliniken gar nicht mehr möglich sei.

 
Sowohl Gemeinderäte wie Kreisräte, darunter Dr. Debacher und Bürgermeister Kai Klare aus Rust, machten deutlich, dass den Worten im Blick auf den am Tag zuvor beschlossenen OP-Neubau in Ettenheim nun rasch Taten folgen müssen.

 
Abschließend stellten alle Fraktionsvorsitzenden fest, dass das Ettenheimer Krankenhaus eine faire Chance brauche, dass die spezifischen Aspekte des gut aufgestellten kleinen Krankenhauses stärker Berücksichtigung finden müssen, man dies in die Arbeit des Krankenhausausschusses und des Kreistages mitnehme.

 
Minister a.D. Helmut Rau, der Sprecher der Klinikinitiative LEBEN dankte einerseits allen, die über Unterschrift und Mittun die Initiative um den Erhalt des Ettenheimer Krankenhauses unterstützen und erklärte, dass die Arbeit mit der Übergabe der über 20.000 Unterschriften an den Landrat längst nicht erledigt sei. Man müsse sich kritisch mit den Grundlagen der Entscheidung, dem Gutachten des Hamburger Büros Lohfert & Lohfert, auseinander setzen und die zahlreichen guten Gründe für den Bestand des Ettenheimer Krankenhauses stärker in die Waagschale werfen.

 
 

 
 
 
 

Pressemitteilung

 

 
Überwältigender Einsatz der Menschen für das Krankenhaus Ettenheim

 
Rau: „Über 20.000 Unterschriften sollten den Kreistag nicht kalt lassen“

 
Über 20.000 Menschen aus Ettenheim und Umgebung haben sich mit ihrer Unterschrift dafür eingesetzt, dass das Krankenhaus Ettenheim eine Zukunft für die Gesundheitsversorgung der Menschen in der südlichen Ortenau und dem nördlichen Breisgau erhält.

 
„Wir danken von Herzen all denen, die mit ihrem guten Namen öffentlich für das Krankenhaus eintreten und denjenigen die ihre Zeit gegeben haben um die Unterschriften zu sammeln“, erklärten die Initiatoren der Klinikinitiative LEBEN, die Bürgermeister Bruno Metz und Kai-Achim Klare sowie Prof. Dr. Thomas Breyer-Mayländer und Minister a.D. Helmut Rau.

 

 
 
Was diese Menschen jetzt erwarten dürften, so Helmut Rau bei der Übergabe der Unterschriften an Landrat Frank Scherer, seien nicht schnelle Entscheidungen auf der Basis eines mehr als angreifbaren Gutachtens sondern eine gründliche Auseinandersetzungen mit den Sachargumenten, die für ein Krankenhaus in Ettenheim im Klinikverbund Lahr-Ettenheim sprechen. „Wenn Sie das tun, dann kommen Sie zu dem Ergebnis, dass Ettenheim eine faire Chance verdient hat, sich mit den Elementen Grundversorgung und Spezialleistungen, welche keine Hochspezialisierung von Ärzten und Geräten erfordern und in einer Portalfunktion in Richtung Süden zu entwickeln“, appellierte Helmut Rau an den Landrat.

 
Die Vertreter der Klinikinitiative LEBEN machten deutlich, dass die Übergabe der über 20.000 Unterschriften nicht der Abschluss sondern der Startschuss für weitere Aktionen sei, die sich insbesondere mit den Schwächen des Gutachtens, das wohl als Entscheidungsgrundlage für die Gremien gesehen werden, auseinandersetze.

 
„Erst wenn wir eine ernsthafte Perspektive für das Krankenhaus Ettenheim erkennen, ist unser Auftrag erfüllt“, erklärten die Initiatoren.

 
 

 
unterschriften

 

 
 
 
 
 

Das sagen Betroffene

 
Das Ettenheimer Krankenhaus hat eine extrem hohe Akzeptanz bei der Bevölkerung dieser Raumschaft und darüber hinaus.
Wir lassen Menschen und ehemalige Patienten zu Wort kommen.